Zurück zu Ingo Naumanns Homepage
--- This page in English
Analoge VLSI-Schaltungssimulation
Die analoge Simulation integrierter Schaltungen spielt heute in der Chip-Industrie
eine nicht mehr wegzudenkende Rolle. Sie dient dem Schaltungsentwickler als
Werkzeug, um den gesamten Entwurfsprozess zu verifizieren und vor der
Prototypfertigung eine möglichst große Anzahl
an Fehlerquellen auszuschliessen.
Mit zunehmender Komplexität der heute entwickelten Schaltungen erhöht sich
jedoch der Zeitaufwand der Simulationen, trotz gleichzeitiger Verbesserung der
verwendeten Rechner, und die Industrie sucht nach immer ausgefeilteren und
effizienteren Simulationsverfahren.
Die am häufigsten verwendete Analyseart, die Einschwing- oder Transientanalyse,
ist die Berechnung
von Signalverläufen über der Zeit.
Als Eingabe dienen dem Simulator die Netzliste der Schaltung,
die Modellparameter der verwendeten Modelle sowie diverse
Eingangssignale. Die Ausgabe wird dann im
nächsten Schritt von entsprechenden
Werkzeugen weiterverarbeitet, um Aussagen über
die Funktionsfähigkeit der
Schaltung machen zu können oder Designfehler aufzuspüren.
Die generelle Funktionsweise kann anhand von Bild 1 erläutert
werden.
Eine Schaltung wird repräsentiert als eine Menge von linearen und
nicht-linearen Bauelementen (wie z.B. gesteuerten Quellen,
Widerständen, Kapazitäten),
die als Zweige die Knoten eines Graphen verbinden.
Die interessierenden Größen sind hier die Zweigströme
und die Knotenspannungen, deren physikalischer Zusammenhang durch
die Zweiggleichungen (in Form von U/I-Kennlinien) und die
Kirchhoffschen Maschen- und Knotengleichungen gegeben ist, die zusammen
ein Algebro-Differential-Gleichungssystem ergeben.

Bild 1: Schema der transienten Simulation
Mittels eines linearen Mehrschrittverfahrens (In
der Schaltungssimulation werden üblicherweise die rückwertigen oder
impliziten Differentationsformeln (BDF-Verfahren, backward
differentiation formula) benutzt.) werden in der äußersten
Schleife die Näherungslösungen der Ausgangsgrößen
zu diskreten Zeitpunkten
bestimmt. Dadurch ergibt sich für
jeden Zeitpunkt t ein nichtlineares System
von Gleichungen. Unter Anwendung des Newton-Verfahrens
wird dieses Problem
in mehreren Iterationsschritten
-der inneren Schleife- auf
die mehrfache Lösung von linearen Gleichungssystemen reduziert. Nach jeder
Iteration müssen die Werte neu eingetragen werden, dazu muss von der jeweiligen
Bauelementroutine das nichtlineare Verhalten wiedergegeben werden können.
Diese
Gleichungssysteme sind aufgrund der großen Anzahl an Transistoren
heutiger Schaltungen oft sehr groß, aber
sehr spärlich besetzt, d.h. die meisten ihrer Koeffizienten
sind Null. Die Struktur der Einträge bleibt während des
gesamten Simulationsprozesses erhalten.

Bild 2: Matrixstruktur aus der Schaltungssimulation (Dimension ca. 50000)
Literatur
[1] Horneber, E.-H.: Simulation elektrischer Schaltungen
auf dem Rechner, 1985, Springer Verlag, ISBN 3-540-15735-2
[2] Engl, Walter L.; Laur, Rainer; Dirks, Heinz K.: MEDUSA - A Simulator for Modular
Circuits, IEEE Transactions On Computer-aided Design Of Integrated Circuits And Systems,
Vol. CAD-1, No. 2, April 1982
[3] Naumann, Ingo: Sortierverfahren und Datenstrukturen in der VLSI-Netzwerksimulation,
Shaker Verlag, 2004, ISBN 3-8322-2390-8 -- Download
[4] Naumann, Ingo; Dirks, Heinz: Efficient Reordering for Direct Methods in Analog Circuit Simulation,
Springer, Electrical Engineering (Archiv für Elektrotechnik), Volume 89,
Number 4, March 2006, pp. 333-337(5), ISSN: 0948-7921 (Print) 1432-0487
(Online), DOI: 10.1007/s00202-006-0007-5
-- Download
Letzte Änderung: 14. April 2007
-- Impressum